Beim Umbau, bei der Badsanierung oder beim Abriss fällt schnell mehr Material an, als man erwartet. Fliesen, Estrich, Ziegel, Putz, dazu Holz, Gipskarton und alte Dämmung. Wer alles in einen Container wirft, zahlt am Ende oft das Doppelte oder Dreifache. Wer dagegen weiß, was als Bauschutt gilt und wie getrennt werden muss, spart Geld und bleibt rechtlich auf der sicheren Seite.
Was zählt als Bauschutt und was nicht?
Im engeren Sinn ist Bauschutt mineralischer, nicht verunreinigter Abfall: Beton, Ziegel, Fliesen, Keramik, Natursteine, Mörtel und Putzreste. Er wird überwiegend aufbereitet und als Recyclingbaustoff wiederverwendet. Deshalb ist er vergleichsweise günstig in der Entsorgung, sofern er sauber bleibt.
Nicht zum Bauschutt gehören Holz, Kunststoffe, Metalle, Gipskartonplatten, Dämmstoffe, Teppiche, Tapeten und Verpackungen. Und schon gar nicht schadstoffhaltige Materialien wie Asbestzement, alte Mineralwolle oder teerhaltige Produkte. Gelangen diese Stoffe in den Bauschutt, wird der gesamte Inhalt umdeklariert und teuer.
| Fraktion | Beispiele | AVV-Schlüssel | Richtwert 2026 |
|---|---|---|---|
| Beton, sortenrein | Bodenplatte, Betondecke | 17 01 01 | ca. 25–45 €/t |
| Bauschutt, mineralisch gemischt | Ziegel, Fliesen, Beton, Mörtel | 17 01 07 | ca. 35–65 €/t |
| Dämmmaterial ohne KMF | z. B. EPS, Holzfaser | 17 06 04 | ca. 90–180 €/t |
| Gemischte Bau- und Abbruchabfälle | Holz, Kunststoff, Gips, Schutt vermischt | 17 09 04 | ca. 110–220 €/t |
| Asbesthaltige Baustoffe | Wellplatten, Fassadenplatten | 17 06 05* | ca. 350–650 €/t |
Die Preise sind Richtwerte aus Branchenauswertungen für 2026, ohne Container, Transport und Arbeitszeit. Regional können sie deutlich abweichen. Das Sternchen beim Schlüssel kennzeichnet gefährliche Abfälle.
Bauschutt richtig trennen: Was die Gewerbeabfallverordnung verlangt
Die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) verpflichtet in § 8 Erzeuger und Besitzer von Bau- und Abbruchabfällen, diese getrennt zu sammeln und vorrangig der Wiederverwendung oder dem Recycling zuzuführen. Genannt werden unter anderem diese Fraktionen:
- Glas, Kunststoff, Metalle und Holz
- Dämmmaterial und Bitumengemische
- Baustoffe auf Gipsbasis
- Beton, Ziegel sowie Fliesen und Keramik
Ausnahmen gibt es, wenn eine Trennung technisch nicht möglich ist, etwa aus Platzmangel, oder wirtschaftlich nicht zumutbar. Die Erfüllung der Pflichten oder die Gründe für eine Ausnahme sind zu dokumentieren, etwa mit Fotos, Lieferscheinen und Wiegescheinen. Für Maßnahmen, bei denen insgesamt nicht mehr als 10 Kubikmeter Abfall anfallen, entfällt diese Dokumentationspflicht.
Übergeordnet gilt das Kreislaufwirtschaftsgesetz mit seiner Abfallhierarchie: Vermeidung vor Wiederverwendung, Recycling vor sonstiger Verwertung, Beseitigung zuletzt. Gefährliche Abfälle dürfen nicht mit anderen Abfällen vermischt werden. Diese Hinweise geben einen Überblick und ersetzen keine Rechtsberatung.
Bauschutt-Container: Größe, Gewicht und Stellplatz
Die richtige Größe wählen
Bauschutt ist schwer. Ein Kubikmeter lose geschütteter Schutt wiegt deutlich über eine Tonne. Deshalb sind für reinen Bauschutt meist kleine Absetzcontainer mit 3 bis 7 m³ üblich, deren Zuladung die Containerdienste begrenzen. Größere Mulden eignen sich eher für leichte Fraktionen wie Holz oder Sperrmüll. Fragen Sie beim Containerdienst nach der zulässigen Höchstlast, sonst drohen Zuschläge oder ein zweiter Transport.
Wie sich die Containerkosten zusammensetzen
- Stellen und Abholen: je Fahrt häufig rund 80 bis 180 Euro
- Standzeit: meist 7 bis 14 Tage inklusive, danach Tagesmiete
- Entsorgung: nach Gewicht und Fraktion, siehe Tabelle oben
- Genehmigung: Gebühr für die Nutzung öffentlicher Flächen
Richtig befüllen
Füllen Sie den Container nur bis zur Ladekante, überstehendes Material darf nicht transportiert werden. Schwere Stücke gehören nach unten, sperrige Teile sollten zerkleinert werden, damit keine Hohlräume entstehen. Decken Sie den Container bei Regen ab, wenn Sie nach Gewicht abrechnen, denn nasser Schutt wiegt mehr.
Container auf der Straße
Kann der Container nicht auf dem eigenen Grundstück stehen, braucht es eine Erlaubnis für die Nutzung des öffentlichen Verkehrsraums. In Stuttgart erteilt sie das Amt für öffentliche Ordnung, der Antrag soll mindestens zwei Wochen vor dem geplanten Termin vorliegen. Die Gebühren richten sich nach Art und Dauer der Nutzung. In den Umlandgemeinden gelten eigene Zuständigkeiten, meist beim Ordnungsamt.
Kleinmengen: Wertstoffhof und Deponie
Für ein paar Eimer Fliesen oder Putz lohnt sich kein Container. In Stuttgart nehmen die Wertstoffhöfe Bauschutt und mineralische Abfälle bis maximal 60 Liter pro Anlieferung gegen eine Gebühr an, laut Stand Anfang 2025 sind das 6 Euro pro Anlieferung und Tag. Größere Kleinmengen mineralischer Bauabfälle können gebührenpflichtig auf der Deponie Einöd abgegeben werden. Die Landkreise Esslingen, Ludwigsburg, Böblingen, Rems-Murr oder Göppingen haben eigene Regeln und Preise, ein Blick auf die Seite des jeweiligen Abfallwirtschaftsbetriebs lohnt sich vor der Fahrt.
Holz, Metall, Fenster: die anderen Fraktionen
Neben dem mineralischen Schutt fallen bei fast jeder Baumaßnahme weitere Materialien an, die eigene Entsorgungswege haben:
- Altholz: Die Altholzverordnung unterscheidet Kategorien von unbehandeltem Holz bis zu Holz mit Holzschutzmitteln. Außenfenster, Fensterrahmen und Außentüren werden in der Regel der höchsten Belastungskategorie zugeordnet und sind deutlich teurer als Bretter oder Dachlatten ohne Anstrich.
- Metalle: Heizkörper, Rohre, Kabel und Bewehrungsstahl sind Wertstoffe. Sauber getrennt erzielen sie teilweise sogar Erlöse.
- Flachglas: Fensterscheiben lassen sich separat verwerten, wenn sie nicht mit anderen Abfällen vermischt werden.
- Bitumen: Dachbahnen und Abdichtungen sind getrennt zu sammeln. Ältere teerhaltige Produkte gelten als gefährlicher Abfall.
Sonderfälle: wenn Bauschutt Schadstoffe enthält
Gerade bei Gebäuden bis Anfang der 1990er-Jahre steckt in scheinbar harmlosem Schutt nicht selten ein Problem. Asbest kann in Fliesenklebern, Spachtelmassen, Putzen und Bodenbelägen enthalten sein. Schwarze Kleber unter altem Parkett können PAK enthalten. Alte Mineralwolle gilt je nach Herstellungsjahr als krebsverdächtig. Diese Stoffe sind von außen meist nicht zu erkennen.
Besteht ein Verdacht, sollte vor dem Rückbau eine Probe analysiert werden. Asbesthaltige Materialien gehören in die Hände eines Fachbetriebs mit Sachkunde nach TRGS 519, mehr dazu auf der Seite zur Asbestsanierung. Für dunkle Parkettkleber lohnt der Ratgeber PAK im Parkettkleber.
Sie planen einen Umbau oder Rückbau und wollen sich nicht selbst um Container, Trennung und Nachweise kümmern? Wir sehen uns Ihr Objekt kostenlos an und nennen Ihnen innerhalb von 48 Stunden einen Festpreis.
Kostenlose Besichtigung anfragenBeispielrechnung: Was die Trennung bringt
Angenommen, bei einem Badrückbau fallen rund 4 Tonnen Fliesen, Estrich und Mauerwerk an, dazu etwas Gipskarton und Holz.
- Sortenrein getrennt: 4 t mineralischer Schutt × 35–65 €/t = 140–260 €, dazu ein kleiner Container für Holz und Gips.
- Alles gemischt: 4 t Baumischabfall × 110–220 €/t = 440–880 €.
Hinzu kommen in beiden Fällen Stellen, Abholen und gegebenenfalls die Straßengenehmigung. Schon bei dieser kleinen Menge kann die Trennung einige hundert Euro ausmachen. Bei einem Hausabriss mit mehreren hundert Tonnen geht es entsprechend um fünfstellige Beträge.
Wann sich die Entsorgung durch einen Fachbetrieb lohnt
Für Kleinmengen ist Eigenregie oft die günstigste Lösung. Sobald jedoch größere Mengen, mehrere Fraktionen, Schadstoffverdacht oder Nachweispflichten zusammenkommen, wird die Organisation aufwendig. Ein Abbruch- oder Entkernungsbetrieb plant Container und Fraktionen, trennt sortenrein direkt beim Ausbau, kennt die Annahmebedingungen der Anlagen und liefert Ihnen Wiegescheine und Entsorgungsnachweise für jede Fraktion. Wie das bei einem Innenrückbau aussieht, zeigt unsere Seite zur Entkernung. Welche Belege Sie aufbewahren sollten, lesen Sie im Beitrag über Entsorgungsnachweise.
Häufige Fragen
Darf ich Bauschutt in die Restmülltonne werfen?
Nein. Bauschutt gehört nicht in die Restmülltonne, auch nicht in kleinen Mengen. Nutzen Sie für Kleinmengen den Wertstoffhof oder die Deponie Ihres Landkreises und für größere Mengen einen Container.
Wohin mit alten Gipskartonplatten?
Gipskarton ist kein Bauschutt, sondern eine eigene Fraktion. Er muss getrennt gesammelt und über Containerdienste, Wertstoffhöfe mit entsprechender Annahme oder Entsorgungsfachbetriebe abgegeben werden. Fragen Sie vor der Anlieferung nach den Bedingungen vor Ort.
Kann ich Bauschutt auf meinem Grundstück vergraben oder zum Auffüllen nutzen?
Davon ist dringend abzuraten. Unaufbereiteter Bauschutt darf nicht einfach verfüllt werden, der Einbau von Recyclingbaustoffen ist durch die Ersatzbaustoffverordnung geregelt. Verstöße können als illegale Abfallbeseitigung geahndet werden.
Was passiert mit dem Bauschutt nach der Abholung?
Mineralischer Bauschutt wird in Aufbereitungsanlagen gebrochen, gesiebt und von Störstoffen befreit. Daraus entstehen Recyclingbaustoffe, etwa für Tragschichten im Straßen- und Wegebau. Nur was nicht verwertbar ist, wird deponiert.
