Wer ein Haus oder eine Wohnung kernsanieren will, braucht zuerst eine belastbare Zahl für den Rückbau. Die Kosten einer Entkernung schwanken allerdings stärker als bei fast jedem anderen Gewerk: Zwischen einer schadstofffreien Wohnung aus den 1990er-Jahren und einem Nachkriegshaus mit asbesthaltigem Bodenkleber liegt schnell ein Vielfaches. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, mit welchen Richtwerten Sie 2026 planen können, welche Faktoren den Preis bestimmen und woran Sie ein vollständiges Angebot erkennen.
Entkernung: Kosten pro m² im Überblick
Die folgenden Spannen stammen aus aktuellen Marktübersichten (Stand 2026) und beziehen sich auf die Wohn- bzw. Nutzfläche. Sie sind eine grobe Orientierung für die Ausführung durch einen Fachbetrieb einschließlich Abtransport – kein Angebot.
| Umfang der Entkernung | Richtwert pro m² |
|---|---|
| Leichter Rückbau: Bodenbeläge, Tapeten, Deckenverkleidungen | ca. 25–40 € |
| Teilentkernung, z. B. nur Bad und Küche | ca. 25–60 € |
| Vollentkernung einer Wohnung ohne Schadstoffbefund | ca. 40–80 € |
| Gebäude mit Baujahr vor 1960 (dicke Putze, Holzbalkendecken, Schüttungen) | ca. 60–130 € |
| Zuschlag für Schadstoffe (Asbest, KMF, PCB) auf der betroffenen Fläche | ca. 50–200 € |
Für ein Einfamilienhaus ergeben sich daraus häufig Gesamtbeträge im Bereich von etwa 8.000 bis 30.000 Euro, bei Schadstoffbefunden auch deutlich mehr. Verbindlich ist am Ende nur ein Festpreis, der nach einer Besichtigung vor Ort kalkuliert wurde – denn was hinter Verkleidungen und unter Belägen steckt, zeigt keine Tabelle.
Was die Kosten einer Entkernung bestimmt
Baujahr und Schadstoffe
Der größte Preistreiber ist fast immer das, was man nicht sieht. In Gebäuden, deren Bau vor dem 31. Oktober 1993 begonnen wurde, kann Asbest in Fliesenklebern, Spachtelmassen, Putzen oder Floor-Flex-Platten stecken. Dazu kommen alte Mineralwolle, teerhaltige Parkettkleber (PAK) oder PCB-haltige Fugenmassen. Solche Materialien dürfen nicht einfach abgeschlagen werden. Sie erfordern Schutzmaßnahmen, staubdichte Verpackung und eine Entsorgung als gefährlicher Abfall. Das kostet Zeit und Geld – aber deutlich weniger als ein kontaminiertes Haus.
Rückbautiefe
Ob nur Beläge und Sanitärobjekte herauskommen oder auch Estrich, Putz, nichttragende Wände und Deckenverkleidungen, verändert die Arbeitsstunden und vor allem die Abfallmenge. Ein abgestemmter Zementestrich wiegt ein Vielfaches eines Teppichbodens – und Entsorgung wird nach Gewicht oder Volumen abgerechnet.
Zugänglichkeit und Logistik
Erdgeschoss mit Hofeinfahrt oder vierter Stock ohne Aufzug? In der Region Stuttgart spielen Halbhöhenlagen, enge Altstadtstraßen und fehlende Stellflächen eine echte Rolle. Muss der Container auf öffentlichem Straßengrund stehen, braucht es in der Regel eine Erlaubnis der Gemeinde, die Gebühren und Vorlaufzeit verursacht. Wird Material durch enge Treppenhäuser getragen, steigen die Lohnkosten spürbar.
Trennung und Entsorgung
Die Gewerbeabfallverordnung (§ 8 GewAbfV) verlangt, Bau- und Abbruchabfälle nach Fraktionen getrennt zu sammeln – unter anderem Beton, Ziegel, Fliesen und Keramik, Holz, Metalle, Glas, Kunststoff, Gips und Dämmmaterial. Sortenreine Fraktionen sind in der Entsorgung meist günstiger als gemischter Bauschutt. Ein Betrieb, der direkt beim Ausbau trennt, erspart Ihnen also nicht nur Ärger mit Nachweisen, sondern auch Geld.
Einzelposten, die Sie kennen sollten
Neben dem eigentlichen Rückbau tauchen in Angeboten oft separate Positionen auf. Typische Richtwerte, Stand 2026:
- Container: etwa 250–400 € für 7 m³ und 400–700 € für 10 m³ Bauschutt, abhängig von Region, Abfallart und Standzeit
- Schadstoffprobe: etwa 40–90 € je Materialprobe auf Asbest im Labor
- Begehung durch Sachverständige mit Kurzbericht: etwa 400–900 €
- Vollständiges Schadstoffkataster für ein Wohnhaus: etwa 1.500–4.000 €
- Schutzmaßnahmen wie Staubschutzwände, Abdeckungen und Absperrungen: je nach Objekt einige hundert Euro
Rechenbeispiel: Einfamilienhaus mit 120 m²
Ein freistehendes Haus aus den 1960er-Jahren mit 120 m² Wohnfläche soll vollständig entkernt werden: Bodenbeläge, Estrich im Bad, Wandfliesen, nichttragende Trennwände, Deckenverkleidungen, alte Elektro- und Sanitärinstallation. Eine überschlägige Rechnung könnte so aussehen:
| Position | Richtwert |
|---|---|
| Rückbau 120 m² × 50–80 € | 6.000–9.600 € |
| Schadstofferkundung (Begehung und Proben) | 600–1.500 € |
| Schutzmaßnahmen, Baustelleneinrichtung | 300–800 € |
| Zwischensumme ohne Schadstoffbefund | ca. 6.900–11.900 € |
| Bei Befund: Sanierung belasteter Flächen | zusätzlich, häufig mehrere tausend Euro |
Das Beispiel zeigt, warum die Schadstofferkundung an den Anfang gehört: Sie ist der kleinste Posten, entscheidet aber darüber, ob das Budget hält. Wie eine Entkernung fachlich von Entrümpelung und Abbruch abgegrenzt wird, lesen Sie im Beitrag Was ist eine Entkernung?.
Sonderfall Gewerbeflächen: Büro, Praxis, Laden
Bei Gewerbeeinheiten nennen Marktübersichten Richtwerte von etwa 50 bis 120 Euro pro Quadratmeter. Der Aufwand unterscheidet sich deutlich vom Wohnungsbau: Abgehängte Rasterdecken, Doppelböden, Teppichfliesen, Systemtrennwände, Lüftungskanäle und umfangreiche Elektro- und Datenverkabelung erzeugen viel Volumen und viele unterschiedliche Abfallfraktionen. In älteren Objekten sind Deckenplatten aus Mineralfasern ein typischer Verdachtsfall.
Hinzu kommt häufig Termindruck. Zwischen Auszug des alten und Einzug des neuen Mieters bleiben oft nur wenige Wochen, und in Geschäftshäusern sind laute Arbeiten nicht zu jeder Tageszeit möglich. Ein verbindlicher Zeitplan ist hier genauso wichtig wie der Preis.
Sie möchten wissen, was die Entkernung Ihres Objekts konkret kostet? Wir sehen uns das Gebäude kostenlos an und nennen Ihnen innerhalb von 48 Stunden einen verbindlichen Festpreis – Anfahrt inklusive.
Kostenlose Besichtigung anfragenEntkernungskosten vergleichen: woran Sie ein gutes Angebot erkennen
Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn sie dasselbe beschreiben. Achten Sie auf diese Punkte:
- Leistungsbeschreibung je Bauteil: Was genau wird entfernt, was bleibt stehen? „Entkernung komplett“ ohne Details ist kein Vergleichsmaßstab.
- Umgang mit Schadstoffen: Ist eine Erkundung vorgesehen? Wie wird abgerechnet, wenn Asbest oder KMF gefunden werden? Verfügt der Betrieb über die nötige Sachkunde, etwa nach TRGS 519 für Asbest?
- Entsorgung und Nachweise: Sind Transport, Gebühren und Entsorgungsnachweise enthalten?
- Festpreis oder Einheitspreise: Bei Einheitspreisen tragen Sie das Mengenrisiko. Ein Festpreis nach Besichtigung schafft Planungssicherheit.
- Übergabezustand: Wird besenrein übergeben, sodass die Folgegewerke direkt starten können?
Seit Dezember 2024 verpflichtet § 5a der Gefahrstoffverordnung zudem den Veranlasser – ausdrücklich auch private Haushalte –, dem ausführenden Betrieb vor Beginn die vorliegenden Informationen über Gefahrstoffe sowie das Baujahr schriftlich oder elektronisch mitzuteilen. Ein seriöser Betrieb fragt diese Angaben aktiv ab.
Kosten sinnvoll senken – ohne an der falschen Stelle zu sparen
Einige Hebel stehen Ihnen offen:
- Vorab räumen: Möbel, Hausrat und lose Gegenstände selbst entfernen. Jede Stunde Entrümpelung, die der Rückbautrupp nicht leisten muss, senkt den Preis.
- Umfang klar festlegen: Bauteile, die erhalten bleiben – etwa ein intakter Estrich oder eine Holztreppe –, eindeutig benennen und schützen lassen.
- Leistungen bündeln: Kommen Entkernung und Schadstoffsanierung aus einer Hand, entfallen doppelte Baustelleneinrichtung und Schnittstellenprobleme.
- Wiederverwendbares sichern: Gut erhaltene Türen, Heizkörper oder Sanitärobjekte können vorab ausgebaut und weitergegeben werden.
Welche Arbeiten Sie als Laie selbst übernehmen können und wo die Grenze verläuft, zeigt unser Beitrag zur Entkernung in Eigenleistung. Tabu ist alles, was asbest- oder faserverdächtig ist: Hier gehört die Arbeit in die Hände eines Betriebs mit Sachkunde für Schadstoffsanierung.
Fazit: Richtwerte helfen beim Budget, der Festpreis bei der Entscheidung
Für eine erste Budgetplanung können Sie bei einer schadstofffreien Entkernung mit etwa 25 bis 80 Euro pro Quadratmeter rechnen, bei älteren oder belasteten Gebäuden mit deutlich mehr. Entscheidend sind Baujahr, Rückbautiefe, Logistik und Entsorgung. Planen Sie die Schadstofferkundung von Anfang an ein und bestehen Sie auf einer klaren Leistungsbeschreibung. Wie eine professionelle Entkernung mit Festpreis abläuft, erfahren Sie auf unserer Leistungsseite.
Häufige Fragen
Was kostet die Entkernung einer Wohnung mit 80 m²?
Ohne Schadstoffbefund liegt eine Vollentkernung bei Richtwerten von etwa 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter, für 80 m² also grob bei 3.200 bis 6.400 Euro. Stockwerk, Aufzug, Containerstellplatz und Rückbautiefe verschieben den Preis. Werden Asbest oder andere Schadstoffe gefunden, kommen weitere Kosten hinzu.
Ist die Entsorgung in den Entkernungskosten enthalten?
Das hängt vom Angebot ab. Viele Fachbetriebe kalkulieren Abtransport und Deponiegebühren mit ein, andere weisen Container und Entsorgung separat aus. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, was enthalten ist und ob Entsorgungsnachweise übergeben werden.
Muss ich vor der Entkernung ein Schadstoffgutachten beauftragen?
Eine allgemeine Pflicht für private Eigentümer, vor jedem Umbau ein Gutachten zu beauftragen, gibt es nicht. Nach § 5a GefStoffV müssen Sie dem ausführenden Betrieb aber vorhandene Informationen zu Gefahrstoffen und das Baujahr übermitteln. Bei Gebäuden aus der Zeit vor 1993 ist eine Untersuchung vor dem Rückbau dringend zu empfehlen.
Wie lange dauert eine Entkernung?
Eine Wohnung ist bei normalem Umfang oft in wenigen Arbeitstagen entkernt, ein Einfamilienhaus braucht meist länger. Schadstoffsanierungen, enge Zugänge oder große Estrichflächen verlängern die Dauer. Einen belastbaren Zeitplan erhalten Sie zusammen mit dem Angebot nach der Besichtigung.
Warum ist die Entkernung im Altbau teurer?
Ältere Gebäude haben oft dicke Kalkputze, Holzbalkendecken mit Schüttungen und mehrere übereinanderliegende Bodenaufbauten. Dadurch fallen mehr Arbeitsstunden und mehr Abfall an. Hinzu kommt das höhere Risiko von Schadstoffen, die gesondert behandelt werden müssen.
