Selbst Hand anlegen und so einige tausend Euro sparen – bei der Entkernung klingt das verlockend. Tatsächlich gibt es Arbeiten, die geübte Heimwerker gut übernehmen können. Es gibt aber auch klare Grenzen: bei Schadstoffen, bei der Statik und bei Strom, Gas und Wasser. Wer sie überschreitet, riskiert nicht nur seine Gesundheit, sondern auch Folgekosten, die jede Ersparnis aufzehren.
Vor dem ersten Hammerschlag: Baujahr und Umbauten klären
Die wichtigste Frage stellt sich, bevor irgendetwas herausgerissen wird: Wann wurde das Gebäude gebaut – und wann wurde es zuletzt umgebaut? Bei Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 müssen Sie grundsätzlich mit Asbest rechnen, etwa in Fliesenklebern, Spachtelmassen, Putzen, Floor-Flex-Platten oder schwarzen Bitumenklebern. Alte Mineralwolle aus der Zeit vor dem Jahr 2000 ist ohne Nachweis ihrer Unbedenklichkeit als krebserzeugend zu behandeln.
Asbest sieht man einem Material nicht an. Gewissheit bringt nur eine Materialprobe im Labor, die je Probe etwa 40 bis 90 Euro kostet. Gemessen an den Folgen einer Kontamination ist das gut angelegtes Geld.
Entkernung in Eigenleistung: Was Sie selbst übernehmen können
Ist geklärt, dass keine Schadstoffe im Spiel sind, eignen sich diese Arbeiten für Eigenleistung:
- Entrümpeln und Räumen: Möbel, Hausrat, Einbauschränke ohne Anschlüsse
- Lose Bodenbeläge: Teppichböden, Klick-Laminat und schwimmend verlegte Böden – sofern darunter kein verdächtiger Kleber oder Altbelag liegt
- Tapeten: Einweichen und Abziehen, mit Vorsicht bei sehr alten Wandbeschichtungen
- Innentüren: Türblätter aushängen, Beschläge und Zargen ausbauen
- Holzverkleidungen: Paneele und Vertäfelungen, bei älteren Hölzern mit Blick auf mögliche Holzschutzmittel
- Küche und Einbaumöbel: nachdem Strom- und Wasseranschlüsse von Fachleuten getrennt wurden
Typische Fehler von Heimwerkern
- Wände falsch eingeschätzt: Eine Wand, die unter einem Unterzug steht, Deckenbalken trägt oder in mehreren Geschossen übereinander verläuft, ist oft tragend – auch wenn sie dünn wirkt. Im Zweifel entscheidet der Tragwerksplaner.
- Leitungen angebohrt: Alte Leitungen verlaufen selten dort, wo man sie heute erwarten würde. Ein Leitungssuchgerät ersetzt nicht das fachgerechte Abschalten.
- Zu tief gestemmt: Wer beim Entfernen von Fliesen oder Estrich die Decke oder darunterliegende Abdichtungen beschädigt, schafft neue Baustellen.
- Container falsch beladen: Überladene oder falsch befüllte Container führen zu Nachberechnungen beim Entsorger.
Was nicht in Eigenleistung gehört
| Arbeit | Eigenleistung? | Warum |
|---|---|---|
| Asbesthaltige Fliesenkleber, Putze oder Spachtelmassen abstemmen oder abschleifen | Nein | laut Verbraucherzentrale Fachfirmen vorbehalten; hohe Faserfreisetzung |
| Floor-Flex-Platten und asbesthaltige Beläge ausbauen | Nein | Sachkunde nach TRGS 519 und Schutzmaßnahmen nötig |
| Alte Mineralwolle ausbauen | Nicht empfohlen | krebserzeugende Fasern; Schutz nach TRGS 521, Entsorgung als gefährlicher Abfall |
| Teerhaltige Parkettkleber (PAK) entfernen | Nein | Schadstoffsanierung mit Schutz- und Entsorgungskonzept |
| Tragende oder aussteifende Wände entfernen | Nein | nur nach Statik und mit Abstützung |
| Elektroinstallation abklemmen | Nein | Elektrofachkraft erforderlich |
| Gasleitungen trennen | Nein | nur durch zugelassenen Installateur |
Wer unsicher ist, lässt die betroffenen Bauteile von einem Betrieb mit Sachkunde für Schadstoffsanierung entfernen und übernimmt die unkritischen Arbeiten selbst. Diese Arbeitsteilung ist oft der wirtschaftlichste Weg.
Sie möchten selbst mit anpacken und nur die kritischen Arbeiten abgeben? Bei einer kostenlosen Besichtigung legen wir die Aufteilung gemeinsam fest – mit Festpreis innerhalb von 48 Stunden.
Kostenlose Besichtigung anfragenDas Kombimodell: Eigenleistung plus Fachbetrieb
In der Praxis bewährt sich häufig eine klare Arbeitsteilung. Sie übernehmen die leichten, unkritischen Vorarbeiten: Räume leeren, Tapeten entfernen, Türen ausbauen, lose Beläge aufnehmen. Der Fachbetrieb kümmert sich anschließend um alles, was Erfahrung, Schutzmaßnahmen oder schweres Gerät erfordert – Fliesen und Estrich, Wände und Decken, Schadstoffe und die geordnete Entsorgung mit Nachweisen.
Der Vorteil: Die Baustelle wird nur einmal eingerichtet, Verantwortlichkeiten sind eindeutig, und Sie sparen dort, wo es ohne Risiko möglich ist. Wichtig ist, dass Ihre Vorarbeiten zum vereinbarten Termin abgeschlossen sind. Sonst stehen Personal und Container bereit, ohne arbeiten zu können – und aus der geplanten Ersparnis werden Wartezeiten.
Versicherung und Pflichten: die BG BAU nicht vergessen
Viele private Bauherren wissen nicht, dass sie ihr Bauvorhaben bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) melden müssen, wenn Helfer mitarbeiten – und zwar innerhalb einer Woche nach Beginn der Arbeiten. Unbezahlte Helfer aus Familie, Freundeskreis oder Nachbarschaft sind in der Regel gesetzlich unfallversichert. Wer die Meldung versäumt, riskiert ein Bußgeld.
Sie selbst als Bauherr und Ihr Ehepartner sind dagegen nicht automatisch versichert, können sich aber auf schriftlichen Antrag freiwillig versichern. Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Haftpflichtversicherung Schäden abdeckt, die bei Bauarbeiten an Nachbareigentum entstehen können. Klären Sie diese Fragen, bevor die erste Wand fällt – nach einem Unfall oder Schaden ist es dafür zu spät.
Entsorgung bei Eigenleistung
- Container nach Abfallart bestellen: mineralischer Bauschutt, Holz und Baumischabfall getrennt. Fehlwürfe, etwa Gipskarton oder Dämmung im Bauschuttcontainer, führen häufig zu Aufpreisen.
- Sortenrein sammeln: Saubere Fraktionen sind in der Entsorgung günstiger als gemischter Abfall – Trennung lohnt sich also auch für Ihren Geldbeutel.
- Gefährliche Abfälle separat: Asbest, alte Mineralwolle oder PAK-haltige Materialien gehören nie in den normalen Container. Für Kleinmengen aus Privathaushalten informiert der örtliche Abfallwirtschaftsbetrieb über Annahmestellen und Verpackung in staubdichten, reißfesten Säcken oder Big-Bags.
- Stellplatz klären: Steht der Container auf öffentlichem Grund, ist meist eine Erlaubnis der Gemeinde nötig.
- Nachbarn einbeziehen: Kündigen Sie lärm- und staubintensive Tage rechtzeitig an und halten Sie Zufahrten und Gehwege frei. Gerade in dicht bebauten Wohnstraßen beugt das Ärger vor, der den Bauablauf sonst unnötig belastet.
So bereiten Sie Ihre Eigenleistung sicher vor
- Freigabe einholen: Erst wenn Proben oder eine fachliche Einschätzung bestätigen, dass die betroffenen Bauteile unbelastet sind, beginnen Sie.
- Medien trennen lassen: Strom, Wasser und Gas werden vor Beginn von Fachleuten abgeschaltet und gesichert.
- Staub eindämmen: Arbeitsbereiche abtrennen, Türen abkleben, querlüften und Staub möglichst direkt an der Quelle absaugen.
- Ausrüstung bereitstellen: passendes Werkzeug, Schutzausrüstung und ein Plan, wie der Schutt auf kurzem Weg zum Container gelangt.
- Dokumentieren: Fotos vom Ausgangs- und Endzustand schaffen Klarheit, wenn ein Fachbetrieb anschließend weiterarbeitet.
- Übergabe vereinbaren: Termin und Zustand der Räume schriftlich festhalten, damit Folgegewerke planen können.
Lohnt sich Eigenleistung? Eine ehrliche Rechnung
Ihre Ersparnis besteht aus den Arbeitsstunden, die der Fachbetrieb nicht leisten muss. Dem stehen gegenüber: Ihre eigene Zeit, oft an Wochenenden über mehrere Wochen; die Miete für Abbruchhammer und Industriesauger der Staubklasse M oder H; Schutzausrüstung; Containerkosten; das Risiko von Verletzungen und von Schäden an Bauteilen, die eigentlich erhalten bleiben sollten. Hinzu kommt die Zeit: Verzögert sich Ihre Eigenleistung, warten die Folgegewerke – und bei laufender Finanzierung oder doppelter Miete kostet jeder Monat Geld.
Eine gute Faustregel: Übernehmen Sie, was leicht, sauber und schadstofffrei ist. Überlassen Sie, was schwer, staubig, statisch relevant oder belastet ist, dem Fachbetrieb. Welche Größenordnung der Fachbetrieb kostet, lesen Sie im Ratgeber Entkernung: Kosten pro m². Wer zunächst nur ein Badezimmer zurückbauen möchte, findet Details unter Bad zurückbauen vor der Sanierung.
Häufige Fragen
Was tue ich, wenn ich während der Arbeiten auf verdächtiges Material stoße?
Arbeiten sofort einstellen, den Bereich nicht weiter bearbeiten und nicht mit dem Haushaltsstaubsauger reinigen. Lassen Sie eine Materialprobe fachgerecht entnehmen und analysieren. Erst wenn das Ergebnis vorliegt, wird entschieden, wie es weitergeht.
Welche Schutzausrüstung brauche ich für unbelastete Rückbauarbeiten?
Für staubige, aber schadstofffreie Arbeiten sind eine Partikelmaske der Klasse FFP2 oder FFP3, Schutzbrille, Gehörschutz, feste Handschuhe und Sicherheitsschuhe sinnvoll. Diese Ausrüstung ist kein Freibrief für Arbeiten an asbest- oder faserverdächtigen Materialien.
Wird meine Eigenleistung beim Festpreis berücksichtigt?
Ja, wenn sie vorher klar vereinbart wird. Legen Sie schriftlich fest, welche Arbeiten Sie bis zu welchem Termin erledigen und in welchem Zustand die Räume übergeben werden. Unklare Absprachen führen sonst zu Wartezeiten oder Nachträgen.
Brauche ich für eine Entkernung in Eigenleistung eine Genehmigung?
Für die Genehmigungsfrage spielt es keine Rolle, wer die Arbeiten ausführt. In Baden-Württemberg sind Änderungen an nichttragenden Bauteilen im Inneren verfahrensfrei, Eingriffe in tragende Bauteile erfordern aber immer eine statische Prüfung. Für einen Container auf öffentlichem Grund benötigen Sie meist eine Erlaubnis der Gemeinde.
Wie viel Zeit sollte ich für die Eigenleistung einplanen?
Laien brauchen für dieselben Arbeiten meist deutlich länger als ein eingespieltes Team mit Profigerät. Planen Sie realistisch nach Ihrer verfügbaren Freizeit und stimmen Sie den Termin mit den Folgegewerken ab. Ein fester Übergabetermin hält den Bauablauf zusammen.
