Nachtspeicheröfen sind in vielen Häusern und Wohnungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren noch vorhanden. Spätestens beim Heizungstausch oder vor einer Sanierung stellt sich die Frage, wie die schweren Geräte sicher aus dem Haus kommen. Die Antwort hängt entscheidend davon ab, ob im Inneren Asbest steckt – und diese Frage lässt sich oft schon klären, ohne das Gerät auch nur anzufassen.
Welche Nachtspeicheröfen Asbest enthalten können
Asbest wurde in Nachtspeicheröfen als Wärmedämmung und Dichtungsmaterial eingesetzt. Betroffen sind vor allem Geräte, die vor 1977 hergestellt wurden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt rät, bei Geräten aus Westdeutschland mit Baujahr vor 1984 grundsätzlich mit Asbest zu rechnen. Die meisten Hersteller haben die Verwendung allerdings schon Mitte der 1970er-Jahre eingestellt.
Eine ältere Herstellerübersicht der Energieversorger aus dem Jahr 1990 nennt unter anderem folgende Stichjahre, bis zu denen Asbest verwendet wurde:
| Hersteller | Asbest verwendet bis |
|---|---|
| AEG | 1974 (mit Ausnahmen bei einzelnen Typen) |
| Buderus | 1975 |
| Olsberg | Mitte 1975 |
| Siemens | je nach Baureihe, meist 1971 bis 1975 |
| Stiebel Eltron | Oktober 1973 (Baureihe ETT bis 1976) |
| Vaillant | 1976 |
| Zanker-Forbach | 1977 |
Die Liste ist eine Orientierung, keine verbindliche Auskunft. Entscheidend sind Typ und Baujahr Ihres konkreten Geräts.
Wo der Asbest im Gerät sitzt
Typische asbesthaltige Bauteile sind Träger und Abdeckplatten der Speicherkerne, Distanzstücke, Dämmhülsen am Regler, Dichtungen am Lüftergehäuse und an der Bypassklappe, teilweise die komplette Rückwand sowie asbestisolierte Leitungen. Viele dieser Teile sind schwach gebunden. Wird das Gerät geöffnet oder zerlegt, können Fasern in großer Zahl freigesetzt werden.
Nicht nur Asbest: Chromat, PCB und Mineralwolle
Auch ein asbestfreier Nachtspeicherofen ist kein gewöhnliches Elektrogerät. Drei weitere Schadstoffe spielen eine Rolle:
- Chromat (Chrom VI): Speichersteine aus Magnesit oder Forsterit können wasserlösliches Chromat enthalten, das krebserzeugend ist und über die feuchte Haut aufgenommen werden kann. Das betrifft auch Geräte ohne Asbest.
- PCB: Geräte, die vor dem Inkrafttreten der PCB-Verbotsverordnung im Juli 1989 hergestellt wurden, können PCB-haltige Kapillarrohrregler enthalten.
- Künstliche Mineralfasern: Ältere Geräte sind teils mit Mineralwolle gedämmt, die als krebsverdächtig gilt. Mehr dazu im Ratgeber alte Mineralwolle (KMF) erkennen und entsorgen.
Deshalb behandeln Entsorger Nachtspeicheröfen grundsätzlich als Geräte mit gefährlichen Bestandteilen, unabhängig davon, ob Asbest nachgewiesen ist.
Nachtspeicherofen auf Asbest prüfen – ohne das Gerät zu öffnen
Für die Einschätzung braucht es in der Regel keine Materialprobe. So gehen Sie vor:
- Typenschild suchen: Es befindet sich meist außen am Gerät, gelegentlich unter einer Abdeckung. Notieren Sie Hersteller, Typbezeichnung und Herstellungsjahr. Fotografieren Sie das Schild, statt Teile abzuschrauben.
- Auskunft einholen: Mit diesen Angaben können der Hersteller oder Ihr Energieversorger bzw. die Stadtwerke in vielen Fällen sagen, ob das Modell Asbest enthält.
- Unterlagen prüfen: Alte Rechnungen, Bedienungsanleitungen oder Unterlagen zur Elektroinstallation geben oft Hinweise auf Einbaujahr und Modell.
- Im Zweifel als asbesthaltig behandeln: Ist das Typenschild unleserlich oder fehlt es, sollte das Gerät so ausgebaut werden, als ob Asbest enthalten wäre.
So läuft der fachgerechte Ausbau ab
Ein Nachtspeicherofen wird nicht vor Ort zerlegt, sondern im Ganzen ausgebaut. Die Zerlegung erfolgt erst in einer zertifizierten Erstbehandlungsanlage. Der Ausbau durch einen Fachbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519 folgt typischerweise diesen Schritten:
- Stromlos schalten: Eine Elektrofachkraft trennt das Gerät vom Netz und sichert die Anschlussleitung.
- Öffnungen abkleben: Lüftungsschlitze, Gerätefugen und Öffnungen werden mit Gewebeband staubdicht verschlossen, auch an der Unterseite.
- Rückseite sichern: Das Gerät wird vorsichtig von der Wand abgerückt, damit auch die rückseitigen Öffnungen abgeklebt werden können.
- Einpacken: Der Ofen wird vollständig in reißfeste Folie eingeschlagen und auf eine Palette gesetzt.
- Abtransport: Je nach Gewicht und Treppenhaus mit Treppensteiger, Tragegurten oder Kran.
- Nachreinigung: Der Stellplatz wird feucht gereinigt oder mit einem geeigneten Sauger abgesaugt. Staubablagerungen an Wand und Boden hinter dem Gerät werden dabei mit erfasst.
Abfallrechtlich gilt ein Nachtspeicherofen als Elektroaltgerät mit gefährlichen Bestandteilen. Er wird über kommunale Sammelstellen oder dafür vorgesehene Annahmestellen nach dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) zurückgegeben. Viele Annahmestellen verlangen dabei den Nachweis, dass ein Fachbetrieb nach TRGS 519 das Gerät ausgebaut und verpackt hat. Je nach Herkunft und Zustand wird das Gerät unter Abfallschlüsseln wie 20 01 35* (Elektroaltgerät mit gefährlichen Bauteilen) oder 16 02 12* (Altgerät, das freies Asbest enthält) erfasst.
Darf man Nachtspeicheröfen selbst ausbauen?
Ein allgemeines Verbot für Privatpersonen gibt es nicht in jedem Bundesland, die praktischen Hürden sind aber hoch. Die Geräte sind sehr schwer, müssen unbeschädigt bleiben und staubdicht verpackt werden. Viele Abfallwirtschaftsbetriebe nehmen sie zudem nur an, wenn ein Fachbetrieb nach TRGS 519 den Ausbau bestätigt. Und auch das Abklemmen vom Stromnetz gehört in die Hand einer Elektrofachkraft. Wer es trotzdem selbst versuchen will, riskiert neben der eigenen Gesundheit vor allem eine teure Nachreinigung, falls beim Transport ein Gerät aufbricht oder umkippt.
Was kostet es, einen Nachtspeicherofen mit Asbest zu entsorgen?
Für Ausbau, Verpackung und Abtransport eines Nachtspeicherofens werden 2026 erfahrungsgemäß rund 100 bis 230 Euro je Gerät genannt. Bei asbesthaltigen Geräten kommen in der Regel Zuschläge hinzu, etwa für Sachkunde, Schutzausrüstung, staubdichte Verpackung und Dokumentation. Wie sich die Kosten bei umfangreicheren Arbeiten zusammensetzen, zeigt der Ratgeber Asbestsanierung Kosten.
Die Annahme selbst ist bei kommunalen Stellen für Privathaushalte oft kostenlos, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Ein Beispiel aus Baden-Württemberg: Der Bodenseekreis nimmt Nachtspeicheröfen kostenfrei an, wenn sie nachweislich von einem Fachbetrieb nach TRGS 519 ausgebaut und staubdicht verpackt wurden – ohne diesen Nachweis wird eine Gebühr pro Gerät fällig. Erkundigen Sie sich vorab bei Ihrem zuständigen Abfallwirtschaftsbetrieb, welche Regeln vor Ort gelten.
Wovon der Preis außerdem abhängt:
- Anzahl und Gewicht der Geräte
- Stockwerk, Treppenhaus und Zufahrt
- Zustand des Geräts – ein beschädigtes Gerät erfordert mehr Schutzmaßnahmen
- Reinigungsaufwand am Stellplatz
Sie möchten Ihre Nachtspeicheröfen sicher loswerden? Nach einer kostenlosen Besichtigung erhalten Sie innerhalb von 48 Stunden einen verbindlichen Festpreis, die Anfahrt ist inklusive.
Kostenlose Besichtigung anfragenNach dem Ausbau: Umbau sinnvoll planen
Der Ausbau der Nachtspeicheröfen ist häufig der Startpunkt für eine größere Modernisierung: neue Heizung, neue Elektroinstallation, oft auch neue Böden und Wandoberflächen. In Gebäuden dieses Alters lohnt es sich, gleich weitere mögliche Schadstoffe wie Floor-Flex-Platten, asbesthaltige Spachtelmassen oder alte Dämmung mitzuprüfen. Steht ohnehin ein größerer Rückbau an, lassen sich der Ausbau der Geräte und eine Entkernung der Wohnung oder des Hauses sinnvoll in einem Ablauf verbinden.
Planen Sie außerdem die Flächen hinter den Geräten ein. Dort finden sich oft Verfärbungen, alte Anschlussdosen und Befestigungen, die beim anschließenden Verputzen oder Tapezieren berücksichtigt werden müssen. Wird die Elektroinstallation erneuert, entfallen die separaten Starkstromleitungen der Speicherheizung häufig ganz. Wer früh einen Ablaufplan mit allen Gewerken erstellt, vermeidet, dass Maler oder Elektriker auf Arbeiten warten müssen, die eigentlich vorher hätten erledigt sein sollen.
SOMO Abbruch verfügt über die Sachkunde nach TRGS 519 und TRGS 521 und baut Nachtspeicheröfen in Stuttgart und der Region fachgerecht aus – als Einzelauftrag oder im Rahmen einer umfassenderen Asbestsanierung im Gebäude. Wir kümmern uns um Verpackung, Abtransport und die Übergabe an die Entsorgung, dokumentieren die Entsorgung lückenlos und übergeben den Raum besenrein.
Häufige Fragen
Ist ein intakter Nachtspeicherofen mit Asbest gefährlich, solange er läuft?
Ein unbeschädigtes Gerät gibt im Normalbetrieb in der Regel nur wenige Fasern ab. Mit zunehmendem Alter können Dichtungen und Dämmteile jedoch spröde werden. Fachstellen empfehlen deshalb, asbesthaltige Geräte mittelfristig aus Wohnräumen zu entfernen, zumal sie meist auch viel Strom verbrauchen.
Wie schwer ist ein Nachtspeicherofen?
Das hängt von Größe und Leistung ab, denn der Großteil des Gewichts entfällt auf die Speichersteine. Größere Geräte bringen schnell mehrere hundert Kilogramm auf die Waage. Für den Transport über enge Treppen braucht es daher geeignetes Hebezeug und ausreichend Personal.
Darf ich die Speichersteine separat ausbauen, um das Gerät leichter zu machen?
Nein. Gerade beim Herausnehmen der Kernsteine werden asbesthaltige Träger und Dichtungen bewegt und es kann chromathaltiger Staub entstehen. Nachtspeicheröfen werden deshalb unzerlegt ausgebaut und erst in einer zertifizierten Anlage zerlegt.
Kann ich einen Nachtspeicherofen einfach zum Wertstoffhof bringen?
Das hängt vom Landkreis ab. Viele Annahmestellen akzeptieren Nachtspeicheröfen nur nach vorheriger Anmeldung, unzerlegt, staubdicht verpackt und mit Nachweis eines Fachbetriebs. Fragen Sie vor der Anlieferung beim zuständigen Abfallwirtschaftsbetrieb nach.
Muss der Energieversorger über den Ausbau informiert werden?
Wenn ein separater Zähler oder ein spezieller Tarif für die Speicherheizung besteht, sollten Sie Netzbetreiber und Stromlieferanten über den Ausbau informieren. So lässt sich klären, ob der Zähler abgebaut oder der Tarif umgestellt wird.
